Wie komme ich sicher durch die Krise/Zeitenwende?

Matthias Bohn war vor Kurzem im Gespräch mit einem Journalisten. Hier wurden ein paar interessante Fragen aufgeworfen, die viele unserer Investoren bzw. auch die Allgemeinheit der Investoren derzeit bewegen. Das Thema: Wie komme ich sicher durch die Krise bzw. Zeitenwende? Wir haben uns deshalb entschlossen, diese Fragestellungen und unsere Antworten hierauf, hier zu veröffentlichen.

 

Frage: Was bedeutet “Sicher durch die Krise” für den Vermögensaufbau und vor allem die Asset-Allokation?

Matthias Bohn: Um „Sicher durch die Krise“ zu kommen, ist es zunächst erforderlich zu definieren, was man unter „sicher“ versteht und was man mit „Krise“ meint. Landläufig wird „sicher“ und „unsicher“ mit dem Maß der Kursschwankungen gleichgesetzt. Ist aber eine nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligung sicherer als ein täglich handelbare Aktie? Zugegeben, diese Frage mag ketzerisch anmuten. Speziell in Deutschland wird aber immer wieder Kursschwankung fälschlicherweise mit Unsicherheit gleichgesetzt.

Aus unserer Sicht gilt es vielmehr die inhärenten Risiken zu bewerten und als Value-Investor insbesondere herauszustellen, dass eine Aktie bzw. ein Investment in ein Unternehmen nicht deshalb unsicherer geworden ist, nur weil der Preis gefallen ist!!!

„Krise“: auch die Frage danach, welche schwierige Lage oder Situation hier gemeint ist, ist elementar. Sprechen wir über die aktuelle Abschwächung der Wirtschaftsleistung, eine Rezession oder wirklich über eine Zeitenwende. Eine Zeitenwende erleben wir – aus unserer Sicht – sowohl im Zinsgefüge als auch im Inflationsregime bzw. den darauf abzielenden Verhaltensmustern der Notenbanken. Dies wird uns die nächsten Jahre begleiten.

In den letzten 40 Jahren erlebten wir Finanzmärkte vor dem Hintergrund stetig fallender Zinsen. Dies führt dazu, dass kaum noch Marktteilnehmer aktiv sein dürften, die auch Erfahrungen in einem anderen Umfeld gesammelt haben. Dies führt aus unserer Sicht ganz klar dazu, dass wir eine höhere Volatilität an den Märkten erleben, da die Anpassungsprozesse der professionellen Marktteilnehmer erst wieder eine Lernkurve durchlaufen müssen.

Für die Portfolioallokation ist es zudem erforderlich, aus vergangenen Beispielen zu lernen. So gehen wir davon aus, dass bspw. das hohe Inflationspotential aufgrund der verfügbaren Geldmenge und den durch Corona und die Lieferkettenschwierigkeiten angestoßenen Inflationsimpuls als der bestimmende Unsicherheitsfaktor wahrgenommen werden sollte und damit die Krisensituation aus unserer Sicht am besten beschreibt. Aus der Vergangenheit wissen wir nun, dass lediglich Unternehmen die notwendige Anpassungsfähigkeit besitzen, um in einem solchen Umfeld zu bestehen und eine weitestgehende Vermögenssicherung darstellen können. Die „unsichere“ Aktie ist damit aus unserer Sicht in Bezug auf diese Krise die beste Wahl – trotz der damit verbundenen Schwankungen.

 

Müssen alle, die 2020 und 2021 auf Tech- und Wachstumsaktien gesetzt haben, zu einem klassischen 60-40-Portfolio zurückdackeln?

Die Frage stellt sich so nicht. Das Verhältnis von Aktien und Anleihen sollte durch die persönliche Risikopräferenz bestimmt sein. Für alle, die 2020 und 2021 komplett auf Wachstums- und Techaktien gesetzt haben, stellt sich vielmehr die Frage, ob nun wieder günstige Bewertungen und „Old Economy“ die besseren Investitionen darstellen. In Zeiten steigender Zinsen werden zukünftige Kapitalströme stärker abdiskontiert. Dies bedeutet – ganz emotionslos, dass die in ferner Zukunft erwarteten Zahlungsströme heute deutlich weniger Wert sind. Es gilt heute einmal mehr: lieber den Spatz in der Hand … 😊

 

Ist mit der Zeitenwende von 2022 Zins der neue Zins und Festverzinsliche werden Alternativlos für die Stabilität des Vermögens?

Auf keinen Fall! Mit einem RexP, der zweistellig dieses Jahr verloren hat, haben Anleihen den Nimbus des Hortes der Sicherheit eingebüßt. Hier kommen wir auch wieder auf die Erläuterung zur ersten Frage: Ist es wirklich ratsamer, das hart verdiente (und bereits versteuerte)  Geld schlecht geführten Staaten über deren Anleihen anzuvertrauen oder sollten wir doch lieber in gute Unternehmen investieren? Wo ist das inhärente Risiko höher?

 

Generell: Wie sollte eine Portfolio strukturiert sein, sodass es in einer Krise nicht allzu stark verliert, und trotzdem Renditechancen wahrt. Allzu stark ist natürlich relativ, aber für viele dürfte ein Minus von einem Viertel oder Fünftel eine Schmerzgrenze sein.

Die Portfolios sollten – gemäß der persönlichen Risikopräferenz – eine maximale Aktienquote aufweisen. Diese Quote variiert natürlich von Investor zu Investor. Wir plädieren aber dafür, jeweils das Maximum auszuschöpfen. Sollte es dann noch gelingen, Aktienanlagen eher wie Immobilieninvestments zu betrachten, dann wären noch deutlich höhere Quoten möglich. In Ermangelung eines täglich erkennbaren Preises (Kurses) sind viele Investoren bei Immobilieninvestments deutlich entspannter und risikofreudiger. Die Investition wird hier zum Großteil durch die Brille der Mieteinnahmen getätigt. Nur so ist es erklärbar, dass in den 90iger Jahren erworbene Immobilien ganz cool gehalten wurden, obwohl stellenweise erst die jüngsten Preisanstiege in dem Segment uns wieder auf das Preisniveau der 90iger geführt haben. Diese Coolness würden wir uns bei Aktieninvestments wünschen. Was ist so schlimm an 5% Dividendenrendite bezogen auf den Kaufpreis und ein gleichzeitiges Ausblenden der täglichen Kurskapriolen?

 

Das Team der P&S Vermögensberatungs AG