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Matthias Bohn über die Wahlen in Taiwan

Matthias Bohn war zu Gast beim Börsenradio, um über den Ausgang der Wahlen in Taiwan und deren Implikationen zu reden.

Im letzten Jahr hatten wir mit dem Ende der pandemiebedingten Lockdowns in China entsprechende Stimuli der chinesischen Wirtschaft erwartet. Diese blieben aber erstaunlicherweise aus. Woran lag das? Im Laufe des Jahres manifestierte sich hierzu der Gedanke, dass die ausbleibenden Konjunkturprogramme im Zusammenhang mit den im Januar anstehenden Wahlen in Taiwan stehen könnten. Folgende Kausalkette hatte sich für uns ergeben:

  • Taiwan war schon immer ein Teil des chinesischen Imperiums (auch wenn es Zeiten von Fremdbesetzung gab), die de fakto Loslösung Taiwans passierte im chinesischen Bürgerkrieg 1945 bis 1949; die Kommunisten unter Mao haben den Krieg für sich entschieden und die unterlegene Gruppierung unter Tschiang Kai-schek flüchteten sich auf die Insel Taiwan und „verbarrikadierten“ sich dort
  • Taiwan und alle anderen dem Festland vorgelagerten Inseln könnten den chinesischen Seehandel empfindlich stören
  • die USA befinden sich mit China bereits in einem Wirtschaftskrieg … die USA verbieten die Ausfuhr bestimmter Halbleiter nach China und Taiwan als Halbleiterfabrik der Welt gewinnt damit strategische Bedeutung
  • die herrschende DPP in Taiwan hat sich in den letzten Jahren sukzessive von der „Ein-China“-Politik wegbewegt und versucht auf verschiedenen Gebieten eine Unabhängigkeit von China zu erreichen
  • dies widerspricht der Vereinbarung aus 1992, an die sich die taiwanesische Regierung gebunden hat und die auch von den Verbündeten Taiwans mitgetragen wurde
  • auch die USA haben in den 1970er Jahren mehrfach betont, dass für sie die „Ein-China“-Politik maßgeblich ist (um zu verhindern, dass China zu nahe an Russland heranrückt

-> sowohl die geopolitische Situation als auch die strategische Bedeutung Taiwans (Halbleiter) lassen keinen Zweifel aufkommen, dass China auch nur ansatzweise eine Loslösung Taiwans akzeptieren würde

  • mit den Wahlen in Taiwan hatte sich nun die Chance ergeben, einen Regierungswechsel zur chinafreundlicheren KMT zu erreichen – dieser Wechsel sollte natürlich nicht durch Konjunkturprogramme in China konterkarriert werden (ein starkes Wachstum in China hätte ein starkes Wachstum in Taiwan mit sich gebracht, da fast 25% des Exports aus Taiwan nach Festlandchina und Hong Kong gehen)
  • ein Regierungswechsel in Taiwan hätte eine Rückkehr zur Vereinbarung von 1992 leichter gemacht und damit die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation in der Taiwanfrage reduziert

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Der Wahlausgang ist nun bekannt. Die DPP stellt den neuen Präsidenten und die KMT hat diesbezüglich das Nachsehen. Im „Parlament“ jedoch liegt die KMT vor der DPP und hätte sogar mit der ebenfalls in den Präsidentschaftswahlen angetretene TPP die Mehrheit. Mithin könnte der neue Präsident eine „lame duck“ sein und weitere Unabhängigkeitsbestrebungen damit wieder auf Eis liegen … gut für die Welt, gut für uns!

Das Risiko aus dieser Konstellation ist allerdings, dass China mit entsprechendem Säbelrasseln diese Haltung herbeiführen und durch wirtschaftliche Mittel entsprechend ein „Wohlverhalten“ des neuen Präsidenten erzwingen möchte. Hierauf würden die Märkte natürlich mehr als nervös reagieren …

Auf der anderen Seite zeigt sich schon kurz nach der Wahl, dass China nun doch bereit ist, seiner Wirtschaft und auch den Aktienmärkten unter die Arme zu greifen. Die letzten Tage und Wochen haben jedenfalls schon einige Unterstützungsmaßnahmen gesehen. Beim Parteitag im März wird heir vielleicht Weiteres verkündet …

Im aktuellen Monatsbericht und im Interview mit Börsenradio Network gehen wir ausführlich auf diese Thematik ein.


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